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27.08.2008
Überschreitung der Glocknerwand
daxi quaxi, raini bobeini und homey bomey sind die new kids on the rocks

glocknerwand - 3722m (pöschlturm)
gebirge: glocknergruppe
aufstieg: stüdlhütte, teischnitz kees
schwierigkeit: AD, im fels 3+
abstieg: gröger rinne
text: homer
fotos: uwe, homer

anreise
Das Schicksal des bergbegeisterten Wieners ist die elendslange Anreise zu den wirklich hohen Bergen. Doch was nimmt man nicht alles in Kauf, wenn man dem Ruf des Berges erlegen ist.

So quetsche ich mich und meine Ausrüstung am Dienstag den 26. August zu Uwe und Rainer ins Auto – ca. fünf Stunden später als ursprünglich geplant. Aber auch das ist ein ungeschriebenes Gesetz: die Abfahrt verschiebt sich direkt proportional zu der Entfernung des Ziels.

Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir den Parkplatz beim Lucknerhaus. Bei völliger Dunkelheit brechen wir dann auf zur Stüdlhütte. Bald schon muss ich feststellen, dass zwei Monate auf Meereshöhe (Urlaub in Thailand) keine ideale Vorbereitung für die hohen Berge sind. Trotzdem bin auch ich eine Stunde und vierzig Minuten später auf der Hütte.

Nach einer köstlichen chinesischen Gemüsesuppe (Wird auf chinesischen Hütten nun eigentlich Tiroler Gröstl und Steirisches Wurzelfleisch serviert?) widmen wir uns den letzten Vorbereitungen.


letzte vorbereitungen

letzte vorbereitungen
     

Als - wie das eben so ist auf einer Berghütte - das Schlaflager sehr bald zum Schnarchlager wird, wandere ich aus. Doch auch auf meiner Matratze am Gang ist mir keine Ruhe gegönnt. Es herrscht reger Verkehr auf den Hauptverbindungswegen zwischen den Zimmern und der Toilette.

Um 4:00 Uhr ist Schluss mit dem seichten Schlummern. Um 4:40 Uhr starten wir. In den 40 Minuten dazwischen suche ich meine Kontaktlinsen – räume ca. 7mal meinen Rucksack aus und wieder ein, öffne sämtliche Taschen sämtlicher Kleidungsstücke und komme schließlich zu der Überzeugung: Das kleine Doserl mit den großen Sehkraftverstärkern blieb in der Dunkelheit am Parkplatz zurück.

morgendämmerung am teischnitzkees
Wir starten gemütlich. Abgeshen von einem zweiten Team, das zum NW-Grat aufsteigt, sind wir die einzigen. Am Gletscher legen wir die Steigeisen an und binden uns ins Seil. Gut so, denn möglicherweise hätten wir sonst Uwe verloren, der bald mal bis zur Brust in einer Spalte verschwindet!






Das passiert aber kein zweites Mal, denn je höher wir kommen, umso größer und also besser sichtbar werden die Spalten – teilweise sehr beeindruckend. Kurzfristig verlaufen wir uns auf dem Spalten-Labyrinth. Doch letztlich finden wir einen Weg und stehen bald am Grat.

auf und ab am grat
Ich bin froh, denn die letzten Meter waren steil und haben mich ordentlich außer Atem gebracht. Jetzt freu ich mich auf die Abwechslung am Fels. Und der enttäuscht uns nicht. Anfangs ist er zwar noch etwas brüchig, aber nach dem ersten Aufschwung bietet sich uns eine herrliche Kletterei in festem, kompaktem Fels.






obendrüber, nicht rundherum
Bis zur Hofmannspitze gehen wir seilfrei, danach wird es etwas anspruchsvoller und etwas ausgesetzter. Angeseilt überschreiten wir alles was sich uns in den Weg stellt - auch den kleinsten Felsbrocken – umgangen wird nichts. Das braucht in der Dreierseilschaft seine Zeit. Vor allem das viele Abseilen dauert!






super wetter, herrliches Panorama
und den Glockner immer im Blick






immer wieder abseilen
teilweise mit beeindruckendem blick in die gewaltige glockner nordwand

entscheidung am grat
Es ist bereits nach drei Uhr, als wir uns zum Ausstieg der Grögerrinne abseilen. Vor uns ragt Teufelshorn und Glocknerhorn in den Himmel, dahinter führt der NW-Grat zum Glockner-Gipfel. Der NW-Grat ist mit 3,5 Stunden Kletterzeit angegeben. Wir überlegen: Wenn alles gut geht und wir in der angegebenen Zeit bleiben, würden wir gegen sieben Uhr am Gipfel stehen. Wenn wir aber berücksichtigen, dass wir zu dritt unterwegs sind, können wir davon ausgehen, dass wir länger brauchen. Abgesehen davon fühl ich mich bereits etwas müde, sowohl köperlich, als auch im Kopf.






richtig oder falsch
Somit fällt der Entschschluss: Abstieg durch die Grögerrinne. Rainer trägt es mit Fassung, bedeutet die Entscheidung doch, dass er auch diesmal nicht den höchsten Punkt Österreichs erreichen wird. Trotzdem sind wir uns einig, dass der Abstieg die richtige Entscheidung ist. Möglicherweise war es vielleicht doch die falsche. Letztlich ist aber alles gut ausgegangen. Und das ist, was zählt!

Eins steht fest: Wir kommen wieder. Keine Frage!