home | tourenbuch | galerie 

29.08.2008
Großer Falzaregoturm - dibonaführe
Manchmal kommen einem die besten Ideen beim Zähneputzen

großer falzaregoturm - 2500m
gebirge: dolomiten
aufstieg: dibonaführe
schwierigkeit: 5+
abstieg: normalweg
text: homer
fotos: uwe, homer

Eigentlich wollten wir ein paar Routen an den Cinque Torri klettern. Doch dann stand ich nach einer Nacht im Zelt auf diesem Parkplatz und fuhr mir mit der Zahnbürste über die Zähne. Dabei betrachtete ich den vielen Fels, der uns umgab und so herrlich im Morgenlicht badete. Mein Blick blieb an zwei markanten, massiven Felszacken hängen, die an riesige versteinerte Haifischzähne erinnerten: die beiden Falzaregotürme. Die Idee war geboren.

Uwe muss erst gar nicht überredet werden und im Dolomiten-Führer ist auch gleich eine passende Route gefunden: die Dibonaführe im oberen 5ten Grad. Das klingt gerade richtig für diesen Tag: nicht so schwer, als dass man verzweifeln müsste und auch nicht zu einfach, so dass man später unbefriedigt, weil unausgelastet, am Gipfel steht!






die falzaregotürme


cinque torri...

dahinter: Croda de Lago

Schon in der ersten Seillänge wissen wir, dass diese Tour, die richtige Entscheidung war! Wir fühlen uns wohl und es geht gut dahin! Der Großteil der Route ist wunderbar zu klettern. In der 6. Seillänge eröffnet Uwe eine neue Variante. Er lässt die Haken im wahrsten Sinne des Wortes rechts liegen und wählt statt der gemütlichen 5er Stellen, eine Linie weiter links, die wohl im oberen 6ten Grad liegt - und keine Haken aufweist!


ruinen aus dem wkk1



Als wir in der 7. Seillänge sind, hören wir immer wieder, eine Männerstimme lautstark auf Italienisch brüllen. Diese Schreierei stört unsere Idylle in der Wand enorm. Als ich nach der 7. Seillänge am Stand stehe - ein Bohrhaken, ein als Redundanz gelegter Friend - und Uwe nachsichere, taucht der Italienische Rufer plötzlich neben mir auf, hängt sich in den Bohrhaken dazu und brüllt seine Kommandos in die Tiefe. Irgendwie sorgt dieser Bergführer mit seinen zwei älteren Herren im Schlepptau für Unruhe in unserer Seilschaft. In den nächsten zwei Seillängen, die wieder wunderschön sind, können wir uns zwar von unseren italienischen Verfolgern etwas absetzen, doch am Stand vor der 9. Seillänge ist der lautstarke Bergführer wieder neben mir, da er die zwei Längen in einem geht. Hier beschließen wir, die Dreier-Seilschaft vor zu lassen.

Das war dann vielleicht doch nicht die richtige Entscheidung, da genau in der folgenden Länge die beiden Nachsteiger ihre liebe Not haben und dementsprechend langsam unterwegs sind.



uwe der botaniker


stau in der vorletzten SL

Uwe war mittlerweile auch am Stand angekommen, und während wir so warten, kam ES, wie aus dem Nichts: das Südtiroler Klettervieh: souverän und schnell, und obwohl bullig wie ein Stier, doch geschmeidig wie eine Katze - und mit einem Pakerl Tschick in den T-Shirtärmel gewickelt. Seine Seilpartnerin ist dann auch bald bei uns und so warten wir zu viert darauf, dass die nächste Seillänge frei wird.

Als es schließlich so aussieht, als ob, lassen wir die beiden vor, denn die sind wirklich schnell unterwegs! Das Klettervieh steigt vor, kommt aber nicht weit, da hinter einer Steinschuppe immer noch die beiden älteren Herren stecken. Also macht es sich der bärige Stier in der Wand gemütlich - verspreizt sich gut zehn Meter über der letzten Sicherung in der Wand- und nützt die Zeit für eine Tschick! Der Mann ist einfach nur cool - und ich als passionierter Nichtraucher behaupte das nur äußerst selten von einem Raucher!

Irgendwann löst sich der Stau dann doch auf und wir können die letzten zwei, wieder sehr schönen Seillängen noch in Ruhe genießen. Und sind dann am Gipfel sogar alleine!


überhängende Rißverschneidung im 5. Grad



wohl der beste Stand, den uwe je gehabt hat

Start in die letzte (Schlüssel-)Seillänge



Eine wunderbare Tour - zum Weiterempfehlen!