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01.09.2010
Dufourspitze - 4634m
überschreitung des höchsten gipfels der schweiz
max und homer

weitere Gipfel

  • Zumsteinspitze - 4563m
  • Schwarzhorn - 4321m
  • Ludwigshöhe - 4341m
  • Riffelhorn - 2928m

Gebirge: Monte Rosa
Region: Schweiz / Wallis
Talort: Zermatt, 1616m
Stützpunkt: Monte Rosa Hütte, 2795m
Aufstieg: Westgrat
Schwierigkeit: Firn bis 40°, im Fels II
Abstieg: über Zumsteinspitze (Überschreitung)


In der Vergrößerung ist der ungefähre Weg eingezeichnet - zur Hütte und zum Gipfel.
anklicken zum Vergrößern


report
bilder: max, homer
text: homer

Max und Homer lassen sich von Neuschnee und Bergführern einschüchtern:
Gut, dann überschreiten wir eben nicht das Matterhorn, sondern die Dufourspitze - auch nicht schlecht!
dabei schauen sie wehmütig rüber zum Horn der Hörner und beobachten dort das Schmelzen des Schnees.

tag 1 - 30.08.2010
Anreise, Nächtigung!
Gegen 5 Uhr brechen wir auf aus Wien. Kurz davor entdecke ich zufällig doch noch meinen Reisepass. Zum Glück, denn die Grenzbeamten in Liechtenstein wollen es dann später ganz genau wissen.

Der Furkapass in der Schweiz ist wegen Schneefall gesperrt. Aber da die Schweizer durch fast alle Berge Löcher gegraben haben, fahren wir eben durch den Berg durch. Praktisch und bequem mit dem Zug.

Gegen 6 Uhr erreichen wir Randa. Wir steigen im Apartment bei einer alten Frau ab, packen noch die Rucksäcke für den nächsten Tag und dann geht´s früh ins Bett.

tag 2 - 31.08.2010
Plan B - Aufstieg zur Monte-Rosa-Hütte
Aufstehen, Frühstücken. Draußen ist es kalt. Mit dem Auto nach Täsch. Parken im großen Terminal. Mit dem Shuttle-Zug weiter nach Zermatt. Ich bin etwas aufgeregt, schon sehr gespannt auf das Matterhorn. Doch vom Zug aus ist nichts zu entdecken - nur Wälder und steile Berghänge.

Auch nach dem Aussteigen ist vom Matterhorn nix zu sehen. Wortlos schlendern wir durch den Ort. In den engen Gassen herrscht bereits reges Leben: viele Schulkinder, Menschen mit Schi oder Snowboards unterm Arm und Bergsteiger eilen entweder Richtung Schule oder Seilbahnstation.

Und dann trifft es mich unerwartet. Als ich um eine Ecke bieg. Da steht es. Ragt in den blauen Himmel. Grau, weiß, hoch und spitz. Das Matterhorn. Das Horn der Hörner. Und ich denk mir: Da soll ich rauf?






Bei der Seilbahnstation drängen sich viele Menschen. Die Bahn fährt nicht, zu stürmisch ist es oben. Immer wieder starre ich auf diesen riesigen Felszahn. Zweifel kommen in mir hoch. Ich mach mir Sorgen wegen des Schnees. Wir hören uns ein wenig um und sprechen mit Bergführern. Ihre Meinung: "Bis Ende der Woche geht da nix!" Und heut ist erst Dienstag.

Wir lassen uns einschüchtern und entwickeln spontan einen Plan B: Überschreitung der Dufourspitze.

Also gehen wir los. Blitzblauer Himmel. Stetiger Blick aufs Matterhorn. Je höher wir kommen, umso deutlicher zeigen sich die vielen weiteren Gipfel rundherum: Dent Blanche, Zinalrothorn, Weißhorn... Wir machen unendlich viele Fotos.

Beim Aufstieg sind wir zeimlich alleine. Das ändert sich beim Riffelsee ins Gegenteil. Hier hat die Gornergratbahn eine Station. Dementsprechend viel ist hier los. Ein personenloses Fotos zu schießen gegstaltet sich hier zur Gedludsprobe.






Kurz nach dem Riffelsee öffnet sich die Sicht auf die Dufourspitze.


Dufourspitze, Grenzgletscher, Lisskamm, Castor, Pollux, Breithorn.

Die Monte-Rosa-Hütte ist ziemlich voll. So voll, dass man uns schon abweisen will. Dann finden sich aber doch noch Betten für uns. Nur die wenigsten die hier sind wollen auf die Dufourspitze. Die meisten fahren mit der Gornergratbahn bis zur Endstation und wandern dann noch das Stück weiter zur Hütte, nächtigen und kehren am nächsten Tag wieder zurück.

tag 3 - 01.09.2010
die Überschreitung
Schon um zwei Uhr wird geweckt. Es sind doch ein paar Leute, die heute rauf wollen. Wir sind unter den Letzten, die aufbrechen. Dank der vielen Steinmänner ist der Weg trotz Dunkelheit leichter zu finden, als ich gedacht hatte.

Da wo der Gletscher beginnt, haben wir die ersten Seilschaften eingeholt. Wir seilen an und schon bald startet die Morgendämmerung. Niergendwo geht die Sonne faszinierender auf, als in den Berge - immer wieder aufs Neue ein beeindruckendes Schauspiel.






Wind kommt auf und es kühlt stark ab. Die ersten Seilschaften kommen uns entgegen - ohne am Gipfel gewesen zu sein. Den einen ist es zu windig, den anderen ist es zu anstrengend oder sie haben die falschen Steigeisen an ihren Schuhen. Und die von hinter uns kommen nicht mehr nach, haben ebenfalls umgedreht.

Es ist tatsächlich anstrengend. Zum Grat hinauf wird es sehr steil. Der starke Wind zerrt zusätzlich an den Kräften. Ich werde etwas ungeduldig, will endlich oben sein, will mich nicht mehr anstrengen, will den Wind nicht mehr spüren, will meine Ruhe. Ich bin grantig, als sich der vermeintliche Gipfel als Vorgipfel herausstellt. Doch eine schöne blockige Gratkletterei mit herrlichen Tiefblick entschädigt für diese Enttäuschung.






Am Gipfel sind wir ziemlich erledigt. Von großartiger Euphorie ist nichts zu spüren. Max will nicht mal fotografieren - das sagt bei ihm alles! Und ich will an diesem Tag keinen einzigen Höhenmeter mehr machen, und deshalb wieder zur Monte-Rosa-Hütte absteigen. Doch Max drängt auf die Überschreitung - mit der Zumsteinspitze, die sich da einem zusätzlich noch in den Weg stellt. Nach einigem Hinundher geb ich nach - immerhin ist die Überschreitung ja der Plan.

Der Abstieg vom Gipfel in die Scharte ist kein Genuss für mich. Ich fühl mich ziemlich erschöpft. Teilweise klettere ich, als wäre es das erste Mal.

Der Grat zur Zumsteinspitze ist teilweise verdammt schmal. Links geht es gut zwei Kilometer steil bergab, rechts nicht ganz so wild, dafür ist es dort mit Felsen durchsetzt. Stürzen darf man in keine der beiden Flanken. Es scheint aber, als würden die Windböen genau das versuchen.


Grat zur Zumsteinspitze

Hintergrund: Rif. Margherita


Auf der Zumsteinspitze geht es mir wieder besser und Max ist dran mit erschöpftsein. Eigentlich wollten wir im Rifugio Margherita nächtigen, auf 4554m die höchstgelegenen Hütte Europas. Doch da wir nicht reserviert haben und auch etwas weiter hinunter wollen, steuern wir das Rifugio Balmenhorn an. Der Weg dorthin führt eigentlich nur bergab. Anstrengend ist es trotzdem. Die Erschöpfung der letzten beiden Tage macht sich breit und die Sonne knallt runter. Ich gehe voran und Max stolpert hinter mir her.

Das Refugio am Balmenhorn ist dann eigentlich das Felice-Giordano-Biwak - nicht bewirtschaftet, Matratzenlager für sechs Personen. Naja, wir waren wohl schon zu schwach, um die Karte richtig zu lesen. Immerhin gibt es Gas und wir können Schnee schmelzen und Tee kochen. Alles geht nur noch sehr langsam. An meinem Kipferl kau ich ca. 20 Minuten. Mehr bring ich nicht runter.

Interessant, wie erschöpft ich bin. Und wie sehr sich offensichtlich die Höhe bei mir doch bemerkbar macht. Die Höhe und die Höhenmeter vom Vortag und von heute haben scheinbar deutliche Spuren an mir hinterlassen. Eine interessante Erfahrung jedenfalls. Kannte ich bisher nicht.

Um halb sieben kriechen wir ins Lager. Die Matratzen und die Decken sind feucht, fast nass. Noch einmal klettere ich von der Galerie hinunter und hol meinen Biwaksack. Dank der Erschöpfung kann ich trotzdem ganz gut schlafen.





tag 4 - 02.09.2010
Noch zwei 4000er-Gipfel im Vorbeigehen
Am nächsten Tag lockt der Liskamm Ostgrat. Doch dafür fühlen wir uns zu schwach und so spazieren wir aufs Schwarzhorn und schauen anschließend noch auf die Ludwigshöhe vorbei. Spazieren, mehr ist es ja nicht, die paar Höhenmeter noch zu überwinden wenn man schon mal so hoch oben ist.


Schwarzhorn (Corno Nero)







Liskamm

Über den langen Grenzgletscher steigen wir ab zur Monte-Rosa-Hütte. Wieder ist sie vollbelegt und wir bekommen nur noch den Winterraum zugewiesen. Das garantiert uns zumindest eine schnarchlose Nacht. Und Grund zur Freude: Mein Geldbörserl mit rund 300 Euro Inhalt steckt noch dort, wo ich es vor zwei Tagen hingesteckt hab.






tag 5 - 03.09.2010
zum Abschluss noch ein kleines Felsgipferl
Wir steigen ab nach Zermatt. Dabei klettern wir noch schnell mal aufs Riffelhorn - wenn es nun mal schon am Weg liegt.






Resümee
Plan B war auch sehr zufriedenstellend. Eine lässige Tour mit interessanten Erfahrungen und Eindrücken in einer genialen Landschaft.

Im Nachhinein kann man auch sagen, eine Überschreitung des Matterhorns wäre möglich gewesen. Man konnte dem Schnee regelrecht beim Schmelzen zuschauen. Und am Tag unserer geplanten Überschreitung wären die Grate wohl bereits wieder gut zu klettern gewesen...


max und homer wieder unten

Und so gibt es mehr als genug Gründe/Gipfel um zurück zu kommen ins Wallis - noch oft und immer wieder!