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07.08.2009
Uwe und Homer in Seenot
Falkensteinwand am Wolfgangsee

route: seenot
schwierigkeit: 6+
zustieg: per boot
höhenmeter: ca. 150hm
abstieg: über wanderwege, ca. 1h bis zum freibad in st. gilgen

literatur: best of genuss, band 1 - panico, ISBN 978-3-936740-37-0

meine meinung: eine echt sehr, sehr lässige route!
+ genialer "zustieg"
+ griffiger, fester fels
+ herrlichster blick über den see
+ permanent viel luft unterm hintern

heißer tipp: an einem sonnensommertag viel wasser mitnehmen

bilder: homer, uwe
text: homer

Am Mittwoch schlug ich mein Zelt am Südufer des Wolfgangsees auf, mit schönem Blick hinüber zur Falkensteinwand. Ideal um die Wand zu bewundern. Bisschen skeptisch war ich ja schon, denn vergleichbare Routen waren wir beide, Uwe und ich, in dieser Saison noch nicht geklettert – für mich war es überhaupt erst die vierte Mehrseillängentour in diesem Jahr. Und dann waren da noch die Hinweise auf die lockeren künstlichen Griffe in der 6. Seillänge, was ja nicht gar so verlockend klingt. Trotzdem steigerte sich die Vorfreude von Tag zu Tag bis es freitagnachmittags dann endlich so weit war.

Zwei Burschen vom Ruderclub Wolfgangsee machen uns das Bootstaxi. Es ist schon eine lustige Sache, in voller Klettermontur, mit Seil, Gurt, Karabinern, über den vollbelegten Badestrand zu gehen und ins Boot zu steigen. Auf jeden Fall ein sehr unanstrengender Zustieg.

Wir haben Glück – abgesehen von einer Seilschaft, die zu ihrem Kajak zurück abseilt und einem korpulenten Mann in knapper Badehose, der gerade freesolo in der ersten Seillänge hängt und sich von seinem Freund vom Boot aus fotografieren lässt, ist niemand in der Route.

Uwe steigt aus dem Boot und fixiert sich im Stand knapp oberhalb des Wasserspiegels. Nachdem er das Seil aufgenommen hat, steig ich ein in die erste Seillänge – und geh die Sache gleich mal sehr unlocker an! Es dauert eine Weile, bis ich es schaffe, die guten Griffe nicht zu übersehen. Als das dann gelingt, geht es jedoch gut voran und das Klettern macht großen Spaß.

Der permanente Blick über den See ist herrlich und wird mit jedem Höhenmeter noch herrlicher. Die Route ist schön, das Wetter auch – und obendrein sauheiß! Die Sonne knallt voll in die Wand. Der Schweis rinnt in Strömen – vom Kopf bis in die Kletterpatschen. Bereits nach der zweiten Seillänge würden wir uns am liebsten unseren gesamten Wasservorrat – lächerliche 0,75 Liter für uns beide - die Kehlen hinunter leeren. Doch der Gedanke, die weiteren fünf Seillängen dann gänzlich ohne Wasser zu klettern, unterstützt uns in unserer Zurückhaltung. Der sehnsüchtige Blick hinab auf das verlockende blaugrüne Nass und das Plätschern der Boote, die immer wieder vorbeisegeln, erinnern an Tantalus und seine Qualen.

In der fünften Seillänge mache ich wieder mal den alten Fehler und krieche regelrecht hinein in die Verschneidung, so dass ich mich bald selbst blockiere und nicht mehr rühren kann. Nach zwei, drei Mal Hoch- und wieder Abklettern sind Kraft und Konzentration weg und es geht nicht mehr ohne mich ins Seil zu setzen.

Dafür entpuppt sich die sechste Länge mit ihren künstlichen Griffen als durchwegs nett. Immerhin wird einem hier das Suchen nach Griffen abgenommen und wirklich locker ist nur der allererste Griff.

Nach den sieben heißen Seillängen sind wir geschafft – viel länger hätte es nicht sein dürfen. Unsere Münder sind Sandwüsten. Für jeden gibt es noch einen Schluck Wasser, das direkt in den vertrockneten Gaumen und die staubige Zunge eindringt noch bevor es den Weg durch die Kehle finden kann.

Dann machen wir uns auf den Rückweg – verschwitzt, klebrig und immer noch durstig aber alles andere als unzufrieden…