home | tourenbuch | galerie 

21.08.2012
Matterhorn - 4478m
Hörnligrat
max und gerhard

weitere Gipfel

  • Alphubel - 4206m
  • Rimpfischhorn südl. Vorgipfel - 4180m

Gebirge: Walliser Alpen
Region: Wallis, Schweiz / Italien
Talort: Zermatt, 1608m
Stützpunkt: Hörnlihütte
Zustieg: von Zermatt über Sschwarzsee zur Hörnlihütte
Schwierigkeit: 3 und nicht zu unterschätzen die Länge
Abstieg: wie Aufstieg
Topos: z.B. Bergverlag Rother: Hochtouren Westalpen Bd. 1, bergsteigen.at,

report
bilder: max
text: max

Endlich ganz oben: Gipfelerfolg beim 3. Versuch

Am Mittwoch, dem 15. August kommen Gerhard und ich in Täsch im Wallis an. Die Nacht verbringen wir im Auto, und am nächsten Tag steigen wir noch im Regen auf zum Täschhaus. Das Wetter wird langsam besser und bereits am Nachmittag lacht die Sonne vom Himmel. Ab diesem Zeitpunkt haben wir die gesamte Bergfahrt lang traumhaftes Wetter!

Unsere erste Eingehtour führt uns auf den Alphubel (4206m). Hinauf geht es über den Südgrat und hinunter über den Normalweg.

Am nächsten Tag machen wir eine 16-stündige Gewalttour. Es geht zunächst im leichten Gelände über Alphubelgletscher und Mellichgletscher bis auf die Scharte westlich des Rimpfischhorns. Dort lassen wir unsere Rucksäcke und das Seil zurück. Das erweist sich leider als Fehler, da die restlichen 300hm zum Gipfel extrem ausgesetzt und vereist sind, und das zum Teil im unteren 3. Schwierigkeitsgrad. Kurz vorm Hauptgipfel drehen wir um. Wir geben uns mit dem Südgipfel (ca.4180m) zufrieden, da keiner von uns Lust hat das Seil heraufzuholen. Wir steigen ab zur Scharte und setzen unseren Marsch fort. Es geht über Langfluegletscher und Pfulwe zur Langfluealm. Dort verbringen wir die nächste Nacht.

Noch im Finstern steigen wir am nächsten Morgen ab zum Stellisee bzw. Grindjisee um dort Fotos vom Matterhorn mit Seespiegelung im Morgenlicht zu machen. Danach steigen wir ab ins Tal, tauschen beim Auto Proviant und Wäsche aus und steigen auf bis zum Schwarzsee.

Der fünfte Tag im Wallis ist für uns ein Rasttag. Wir sind jetzt super akklimatisiert und fiebern dem Horn der Hörner entgegen. Wir steigen nur die paar Höhenmeter zur Hörnlihütte auf und erkunden am Nachmittag noch die ersten 300hm des Hörnligrates um für den Start am nächsten Tag gut gerüstet zu sein.

Eigentlich war unser Plan, vor der Hütte zu biwakieren. Dort angekommen, müssen wir aber feststellen, dass das strengstens untersagt ist. Etwa 50m unterhalb der Hütte gibt es einen kleinen Platz wo campiert werden darf. Der ist jedoch so arg Steinschlag geföhrdet, da würde ich nicht einmal mit Helm im Sitzen schlafen. So pennen wir eben in der Hütte, wohl wissend, dass diese über Nacht versperrt ist und es jedem Bergsteiger strengstens untersagt ist, diese zu verlassen! Erst wenn um 4:20 Uhr Früh der letzte Bergführer mit seinem Kunden das Haus verlassen hat, dürfen wir „Normalsterblichen“ folgen. Das hat den Sinn, dass die Bergführer mit ihrer gut zahlenden Kundschaft (ein Tag am Horn kostet diese fast 1000 Euro pro Person) nicht durch andere Bergsteiger behindert werden, da ein Grat bekanntlich ja nicht sonderlich viel Platz bietet.

Soweit so gut. Wir verlassen die Hütte also kurze Zeit später. Erst herrscht großes Gedränge. Wir haben Glück und sind als erste Seilschaft am Wandfuß. Jetzt geht’s also los, mehr als 1200 Höhenmeter Kletterei über den Hörnligrat wartet auf uns (Bild 2: Hörnligrat in der Bildmitte; am Wandfuß kann man die riesige 4-stöckige Hörnlihütte erkennen).

Die erste Stunde klettern wir in vollkommener Dunkelheit. Gut dass wir uns am Vortag den untersten Teil der Route noch genau angeschaut haben, denn hier gibt es viele Verhaue.

Um etwa 5:30 wird es dann schnell hell und kurz unterhalb der Solvayhütte wärmt uns das erste Morgenlicht. Den unteren leichten Teil (Bild 3) klettern wir wie die meisten Anderen auch ungesichert um schneller zu sein.

Die Solvayhütte (Bild 4) auf 4003m Höhe ist eigentlich eine Notunterkunft für 6 Personen, die allerdings fast dauernd „bewohnt“ ist, da langsamere Bergsteiger sie oft fix als Zwischenlager einplanen. Das birgt allerdings gewisse Risiken und sollte eigentlich vermieden werden. Beim Abstieg seilt man sich direkt auf die Terrasse der Hütte ab, und von dort dann auch gleich weiter nach unten.

Für uns geht es allerdings vorerst weiter nach oben. Der obere Teil ist der Schwierigere. Schön langsam merke ich, wie bei Gerhard Kraft und Konzentration nachlassen. Bei mir ist es seltsamer Weise umgekehrt: desto höher wir steigen, desto besser fühle ich mich. Schnell gewinnen wir an Höhe und blicken bereits hinunter auf die „Schulter“ (Bild 5).

Etwa 200m unterhalb des Gipfels, im sogenannten „Dachl“ kommen uns dann die ersten Bergführer wieder entgegen. Hier ist Ausweichen quasi unmöglich und so müssen wir fast 2 Stunden an der selben Stelle verharren, bis die letzte Seilschaft an uns vorbei ist. Das finde ich nun wirklich eine Frechheit. Als Bergaufsteigender hat man  eigentlich Vorrang, aber das ist den Bergführern egal. Hauptsache schnell oben und wieder unten, als ob deren Stundenlohn am Matterhorn nicht eh schon überbezahlt wäre!

Der letzte Teil ist ein steiler, vereister Hang. Technisch nicht schwierig, aber Ausrutschen bedeutet hier mindestens 2000m freier Fall und so klettern alle brav am Seil. Die Verhältnisse sind bestens, erst hier auf über 4300m Höhe brauchen wir erstmals unsere Steigeisen und Eispickel.

Endlich sind wir am Gipfel, der eigentlich ein Grat ist, der den schweizerischen mit dem italienischen Gipfel (110cm niedriger) verbindet (Bild 6). Dazwischen steht ein kleines Kreuz. Leider ist unsere Aussicht bescheiden, da heute eine kleine Wolke am Gipfel „wohnt“.

Knapp unterhalb des Gipfels steht die kleine Statue des Heiligen Bernhards, dem Schutzpatron der Bergsteiger (Bild 7). Hier beginnt nun die lange Abseilerei bis hinunter zur Solvayhütte.

Für den Abstieg brauchen wir länger als für den Aufstieg. Nach dem obersten Drittel kann ich Gerhard dazu überreden, dass wir seilfrei abklettern. Das hat den Vorteil dass wir wesentlich schneller sind. Wir überholen 2 polnische Seilschaften die augenscheinlich nur mehr bis ins Notbiwak absteigen.

Nach 14 Stunden Kletterei sind wir endlich wieder zurück bei der Hörnlihütte. Dort holen wir schnell unsere Ausweise zurück und eine Stunde später sind wir unten am Schwarzsee, wo wir todmüde aber überglücklich ins Bett fallen.


fotos