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15.07.2008
Piz Bernina - Biancograt
gigi und uwe am stairway to heaven

piz bernina - 4049
gebirge: berninagruppe
aufstieg: biancograt - stairway to heaven
schwierigkeit: AD, 50° Firn/III+ im Fels
abstieg: spallagrat
text und bilder von gigi und uwe

 

Anreise
Am Montag den 14.07.08 gings los! Die Anreise war bis auf einen Unfall 2 Minuten nach dem Start wenig spektakulär. Gigis BMW gab einem anderen Auto an der Kreuzung Starthilfe, indem es hinten anschob und entledigte sich spontan seines Nummerntaferls. Nach ausgiebiger Proviantaufnahme im M-Preis-Supermarkt (hervorragendes Buffet) wechselten wir das Fahrzeug. Von 220 auf 2 PS. Mittels Pferdekutsche ging es Richtung Tschiervahütte. Nach nur 2 Stunden Fußmarsch erreichten wir die Hütte bei strahlendem Sonnenschein und bezogen sogleich unser Lager.

Aufstieg
Tagwache um 3 Uhr, Abmarsch 3 Uhr 30, wir überlassen anderen Gruppen die Spurarbeit und halten uns dezent im Hintergrund. Es sollte der erste Tag nach einer langen Niederschlagsperiode sein (die Verhältnisse sind schwer und der Schnee ist tief). In der Morgendämmerung erreichen wir die 50° steile Firnflanke zur Fuorcla Prievlusa, der Vorgeschmack auf das, was noch folgen wird. Vor dem ersten Felsabschnitt zieht Uwe den Kürzeren und beginnt die harte Vorstiegsarbeit. Wir kommen schnell voran, die vorangegangenen Seilschaften haben schon eine schöne Spur in den Schnee gezogen. Bald offenbart sich der erste Blick auf den Biancograt, das Herz der Route – die wunderbarste Firnschneide seit Menschengedenken, die jeglicher Beschreibung spottet.

Ausgesetzt und steil geht es hinauf Richtung Vorgipfel auf knapp 4000m. Was dann folgt zaubert uns den berühmten Beistrich in die Hose. Abwechselnd gehen wir am „scharfen Ende des Seils“, der viele Schnee macht den Gratübergang auf den Hauptgipfel unberechenbar. Knapp nach Mittag stehen wir endlich am Gipfel – auf über 4000m Seehöhe. Unter uns donnern laufend absolut tödliche Eislawinen zu Tal. Doch das ist uns ziemlich blunzen, wir befinden uns am lawinen- und steinschlagsichersten Platz der Ostalpen. Wir genießen unser windstilles Jausenplatzerl mit Aussicht auf viele andere schöne Berge (unter anderem den Piz Zupo, 3996m – Zitat Gigi:“Wenn i a Berg warat, tät i’s ma schee fäuln.“).

Abstieg
Nach einer Stunde Abstieg befinden wir uns 500 Meter tiefer auf der Hütte. Es ist 15Uhr. Doch Uwe hat noch nicht genug! In Erwartung seines neuen Flachbild-Full-HD-Fernsehers will er unbedingt noch am nächsten Tag die Heimreise antreten, dazu müssen wir noch einige Höhenmeter vernichten. Nach einem kurzen Check unserer Vorräte beschliessen wir die nächste Hütte zu erreichen. Wir haben 1 Liter Wasser und eine Powerbar Riegel, welchen Gigi sogleich konsumiert.

Was dann folgt ist wohl das längste Martyrium unserer bergsteigerischen Laufbahn. Harte Spurarbeit und ein Gegenanstieg auf 3800m lässt uns unseren epochalen Gipfelsieg schnell vergessen und schlägt sogleich in schlechte Stimmung um. Schlussendlich wird nach mehreren Abseilvorgängen und sechseinhalb statt der im Führer angegebenen vier Stunden die Diavolezza Hütte erreicht.

Nach siebzehneinhalb Stunden brauchen wir annähernd gleichlange um die erste Nahrung (eine Suppe) zu uns zu nehmen. Am nächsten Morgen folgen wir unserem Grundsatz „nimm die Seilbahn, wo`s nur geht“ und erreichen wohlbehütet das Tal.

Wie nach jedem Rausch, schwören wir uns, so etwas nie wieder zu machen…